Wie unterhaltsam ist Corona

Ich schreibe Krimis, ich lese Krimis. Meine beiden Detektive Mathilda und Sam ermitteln nicht in Mittelerde, an der Tafel von König Artus oder gegen Roboterarmeen, die die Erde im 25. Jahrhundert übernommen haben. Sie handeln im Hier und Jetzt.
Aber zieh ich ihnen in den nächsten Folgen deswegen Masken auf? Müssen sie zu Hause bleiben und sich Gedanken machen um soziale Kontaktsperren?
Ich hab darüber nachgedacht. Hinter Masken kann man sich schließlich gut verbergen und Sams Hypochondrie würde auch einen Schub erhalten.
Aber ist das wirklich unterhaltsam? Auf die eine oder andere Weise leidet doch jeder unter diesem momentanen Zustand der Pandemie-Präsenz. Jeder vermisst irgendetwas, hat Angst oder ist einsam. Und dabei ist es völlig egal, ob auf hohem Niveau gejammert wird, weil der nächste Urlaub nur in MeckPom stattfinden darf und nicht auf den Malediven oder Existenzangst den Schlaf raubt.

Man kann dem Thema nicht entgehen, weder Fernsehen noch Internet bieten Ablenkung, jedes Telefonat und Gespräch mit Freunden führt früher oder später zu Corona und die damit verbundenen Einschränkungen. Kein Arbeitsplatz, der sich nicht in irgendeiner Form verändert hätte. Wir schlafen acht Stunden, und in der übrigen Zeit versuchen wir dem Virus aus dem Weg zu gehen. Jetzt ist auch noch Trump weg, der doch immerhin ein bisschen Abwechslung bot.

Meine Ansicht dazu: Die Einschränkungen sind notwendig und ich trage meine Maske, fahre nicht in den Urlaub und halte Abstand. Aber ich kanns nicht mehr hören. Diese Allgegenwärtigkeit, dieses Polarisieren. Als jemand, der leicht an die Decke geht, kann ich die geballte Dummheit nicht mehr ertragen. Ich find auch Qanon nicht mehr unterhaltsam und den ganzen Nazipöbel und Verschwörungtheoretiker erst recht nicht.

Schlimmer, weil näher an mir selbst, sind jedoch die weit auseinanderdriftenden Standpunkte im Freundeskreis. Wie ernst kann ich noch jemanden nehmen, der ernsthaft glaubt, dass Bill Gates uns allen Chips implantieren wird? Kann ich denjenigen in anderen Dingen um Rat fragen? Interessiert mich seine Meinung noch? Ich vertrete selbst einen festen Standpunkt und werde mich, sobald es geht impfen lassen und höre auf Herrn Drosten. Wie tragbar bin ich damit für andere?

Das alles diskutier ich, wenn überhaupt nur im allerkleinsten Kreis mit den Menschen, die mir wichtig sind.

Deshalb NEIN es wird kein Lieblingsvirus geben und diese Phase wird ignoriert, übersprungen und kommt mir nicht in die Bücher. Ich will Spaß beim Schreiben haben. Das ist meine Ablenkung. Schließlich bin ich Autor und kein Chronist. Und ich wünsche mir, dass meine Leser sich mit den Büchern eine Auszeit nehmen können, ohne mit eigenen Problemen konfrontiert zu werden.

Autoren können verschiedene Rollen übernehmen, sie können mahnen, verdeutlichen, kritisieren, sie können mit Sprache ein Kunstwerk erschaffen, hetzen oder diffamieren. Oder einfach nur unterhalten. In Letzterer seh ich mich.

Danach such ich mir auch die Bücher aus, die ich selbst lese. Sie handeln von den Problemen anderer Leute, gut aufbereitet und möglichst mit Wortwitz, zumindest mit ein paar außergewöhnlichen Beilagen serviert. Das erwarte ich von einem Buch. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Keine Viren, keine toten oder misshandelten Kinder, keine dauerhaft geschädigten Hauptfiguren. Obwohl … im nächsten Band geht es einem von ihnen an den Kragen. Er oder sie überlebt. Aber ohne Folgen? Das weiß ich noch nicht. Aber ohne Corona. Das ist sicher.

PS: MeckPom ist toll! Nicht ganz so warm wie die Malediven, aber mit anderen Vorzügen ausgestattet. Aber jetzt fahrt nicht alle auf einmal hin.

Aber wie seht ihr das als Leser? Schreibt in die Kommentare, ob Ihr wollt, dass Corona ein Thema in euren Büchern ist, ob es wichtig ist oder stört ….

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